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„100 Jahr bald uff de Gass – SchwellKöpp bringe Freud und Spass“
Wenn de Schwellkopp zu Grabe geht - Aschermittwoch in Meenz

Wenn de Schwellkopp zu Grabe geht - Aschermittwoch in Meenz

📅 21. Februar 2026 ⏱️ 3 Minuten 👤 Redaktion

Es war widder so weit: Der Himmel grau wie e übernächtigter Gardist, die Luft schwer wie e Kopp nach'm Rosenmontagszug, un trotzdem stande se do – hunderte Meenzer in Schwarz, als wär die ganze Stadt in Trauer versunke. Un irgendwie war se des aach. Denn am Aschermittwoch, wenn die letzte Konfetti-Flocke noch am Mantel klebt, muss die Fastnacht dran glaabe. Net symbolisch, net halbscharich – nein, richtig mit Sarg, Gejammer un närrischer Liturgie. Der Sarg? E Monster. So groß, dass mer denkt, da drin läge mindestens en halbe Elferrat. Drumrum die Träger in lange Mäntel, Laterncher in de Hand, Gesichter ernst wie beim Kassensturz nach de Kampagne. Die Fraue mit schwarze Schleier, als hätt der Hannebambel höchstpersönlich ihr Herz gebroche. Un vielleicht hat er des ja aach – der Kerl war bekannt dafür, überall e Spur aus leere Schobbe, Charme un Chaos zu hinnerlasse. Wer kennt den schon besser wie mir?

Am Schillerplatz, direkt am Fastnachtsbrunne, versammelte sich die Trauergemeinde. Rund 300 Leit, alle in dunkle Kleider, als wär’s e Staatsbegräbnis. Nur dass hier halt en Schwellkopp im Sarg lag – unser „Hannebambel“, e Meenzer Original, das mehr Geschichten erlebt hat als die halb Altstadt zusamme. Die Garde der Prinzessin hatte die Tradition wieder ausgegrabe, weil se net wollt, dass der Aschermittwoch so sang- und klanglos verschwind wie en leere Schobbe nachm Umzug.

De Hannebambel, selbst uff der Bahre des schmutzische Grinse.

GdP Gardisten bei dem Trauermarsch mit dem Hannebambel.


 

Der „Priester“ – e Mischung aus Diakon, Büttenredner un Seelenklempner – begrüßte die Leit mit ernster Mine und närrischem Unterton. „Die Geldbeitel sinn leer, die Köpp sinn schwer, un die Seel’ brauch Trost“, rief er, un jeder im Publikum nickte wissend. Denn wer die Kampagne durchgestande hat, weiß: Am Aschermittwoch is net nur die Fastnacht tot, sondern aach die eiche Geldbörs.

Dann begann die Liturgie, so schräg, dass selbst fromme Leit kurz irritiert gugge. Gesänge, die eher nach Kneipenchor klangen, Gebete, die zwischen Wehklage und Witz pendelten, un e Pfarrer, der den Hannebambel als „schwer an Charakter un noch schwerer an Gewicht“ beschrieb. Die Klageweiber schnieften dramatisch, manche vielleicht e bissje übertriebe, aber - es is ja Fastnacht, da darf’s e Nummer größer sein.

Der Trauerzug setzte sich in Bewegung, langsam, würdevoll, mit viel Geseufze un noch mehr Getöse. Durch die Innenstadt, vorbei an Läden, die grad erst wieder Normalbetrieb probiere, bis zum Haus der Jugend. Dort klopfte der Zeremonienmeister drei Mal an die Tür, wie’s Tradition is. Drinnen wartete das „Himmelreich“, aber erst nach e bissje närrischem Hin und Her durfte der Hannebambel eintrete. Schließlich war er ja „en arme Meenzer Kribbel“, un des zieht immer.

Zum Schluss gab’s den Leichenschmaus – Heringsessen, wie sich’s gehört. Die Fastnacht war offiziell beerdigt, die Tränen getrocknet, die Stimmen heiser. Un trotzdem: In jedem Blick lag schon die Vorfreud auf die nächste Kampagne. Denn Meenz ohne Fastnacht? Des wär wie en Weck ohne Worscht.

316 Tage noch. Dann geht’s widder los.

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