SKTC Logo
Bald isses soweit: 🎊🎈🎭 1927 – 2027 🎭🎈🎊
„100 Jahr bald uff de Gass – SchwellKöpp bringe Freud und Spass“
Mainz feiert, der SWR schaut weg: Ein närrisches Rätsel

Mainz feiert, der SWR schaut weg: Ein närrisches Rätsel

📅 20. Januar 2026 ⏱️ 2 Minuten 👤 Redaktion

In Mainz knallen die Korken, die Garden marschieren, die Schwellköpp wackeln – und der SWR? Der sitzt offenbar lieber in Baden-Baden auf der Zuschauertribüne und winkt freundlich rüber. Drei Sendungen aus der rheinland-pfälzischen Fastnacht, während im Südwesten gefühlt jeder Narrentreff zwischen Stockach und Tettnang mit rotem Teppich empfangen wird. Für einen Sender, der sich „Mainzer Landessender“ nennt, erinnert das an jene legendären Zeiten, in denen der FCK gefühlt eine eigene Dauerschleife bekam – und Mainz 05 nur dann ins Bild rückte, wenn der Rasenmäher durchs Stadion tuckerte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt – aber das närrische Mainz schaut in diesem Jahr ziemlich verdutzt Richtung SWR‑Funkhaus am Fort Gonsenheim..

Der Schock saß tief, als der SWR im Herbst verkündete, den Kinder- und Jugendmaskenzug nicht mehr zu übertragen – ausgerechnet dieses Aushängeschild, Europas größter Jugendmaskenumzug! Begründung: „zu lokal“. Ein Argument, das in Mainz ungefähr so gut ankam wie ein Kölner Alaaf im Weck-Worscht-Woi-Zelt. Und jetzt, wo die „närrischen Wochen“ laufen, zeigt sich: Die Mainzer Fastnacht spielt im SWR-Programm die Rolle des Statisten mit zwei Sätzen Text. Während in Baden und Schwaben die Kameras glühen, darf Mainz sich mit Bohnebeiteln, Rosenmontagszug und einer neuen „Streamung“ begnügen. Der Rest? Archivmaterial, das so langsam selbst Patina ansetzt. 

Natürlich rumort es in der Stadt. Fastnachter, Vereine, Zuschauer – alle fragen sich, ob der SWR sich still und leise aus der Mainzer Fastnacht verabschiedet. Die Kritik ist deutlich: Wenn der WDR am 11.11. von morgens bis Mitternacht live aus Köln sendet, während der SWR zeitgleich „Kaffee oder Tee“ und „Eisenbahnromantik“ zeigt, dann fühlt sich das für viele an wie ein närrisches Eigentor. Und zwar eins aus 30 Metern Entfernung, ohne Gegenwehr. Dabei wäre es ja nicht so, dass Mainz keine Geschichten zu erzählen hätte: 100 Jahre Mainzer Hofsänger, Traditionsvereine, Nachwuchsarbeit, Saalfastnacht, Straßenfastnacht – Stoff genug für eine ganze Staffel. Stattdessen konzentriert sich der Sender auf die badische Fasnet, schwäbische Bräuche und sogar den Rosenmontagszug in Trier. Alles schön und gut, aber Mainz ist nun einmal eine der drei großen Fastnachtshochburgen Deutschlands. Wenn der eigene Landessender das nicht mehr abbildet, wirkt das ungefähr so, als würde man beim eigenen Geburtstag nur kurz vorbeischauen, ein Stück Kuchen essen und dann weiterziehen zu den Nachbarn, weil dort die Deko bunter ist.

Doch Mainz wäre nicht Mainz, wenn man das nicht auch mit Humor nähme. Vielleicht braucht der SWR einfach eine kleine Orientierungshilfe – ein närrischer Kompass, der zuverlässig Richtung Rhein zeigt. Oder eine Erinnerung daran, dass Fastnacht hier nicht nur ein Programmpunkt ist, sondern ein Lebensgefühl. Und vielleicht, ganz vielleicht, wacht man in Baden-Baden ja doch noch auf und merkt: Die beste Fastnacht findet nicht irgendwo statt. Sondern genau hier. In Mainz. Helau.

Jugendmaskenzug