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Mimosen-Alarm im Kreml: 8,5 Jahre für e bissje Pappe

Mimosen-Alarm im Kreml: 8,5 Jahre für e bissje Pappe

📅 3. April 2026 ⏱️ 3 Minuten 👤 Redaktion

Gude, liebe Leit! Setzt euch hie, nehmt euch en Schoppe, denn was sich da im fernen Moskau abspielt, des glaubt ihr im Lewwe net. Wer dachte, die Fastnacht sei nur zum Schunkeln da, der hat die Rechnung ohne den russischen Bär gemacht – oder besser gesagt, ohne die russische Justiz-Mimose. Gestern fiel das Urteil in der „Causa Jacques Tilly“, und man muss es so sagen: Die haben dort drüben echt den Schuss net gehört.

Achteinhalb Jahre Haft. In Worten: Acht Jahre und sechs Monate. Dazu noch e Geldstrafe von umgerechnet 2.000 Euro und vier Jahre Berufsverbot. Das ist kein Urteil, das ist eine Kapitulationserklärung vor der Macht der Satire. Unser Düsseldorfer Kollege Jacques Tilly – der ja eigentlich ganz ordentliche Wagen baut, auch wenn er net aus Meenz kommt – wurde in Abwesenheit verurteilt, weil er es gewagt hat, den „lupenreinen Demokraten“ Putin und seinen Kumpel, den Patriarchen Kirill, so darzustellen, wie es sich für echten Karneval gehört: respektlos, bissig und verdammt nah an der Wahrheit.

Die ganze Chose fing ja schon vor geraumer Zeit an. Tilly, der seit Jahrzehnten die Mächtigen der Welt aus Pappmaschee und Maschendraht formt, hatte 2024 den Vogel abgeschossen. Sein Wagen zeigte Putin in Uniform und Kirill in einer – sagen wir mal – sehr innigen, oral-akrobatischen Beziehung. In Mainz hätten wir gesagt: „Des is halt Fassenacht, da muss er dorsch!“ Aber im Kreml versteht man keinen Spaß, wenn es um die eigene Herrlichkeit geht. Die russische Staatsanwaltschaft, die wohl sonst nix Besseres zu tun hat, warf ihm „Verunglimpfung der russischen Armee“ und die „Verletzung religiöser Gefühle“ vor. Dass man Gefühle verletzen kann, indem man Fakten in Pappe gießt, ist ja schon ein starkes Stück. In Moskau reichte das aber aus, um ein Verfahren zu eröffnen, das jedem Schauprozess zur Ehre gereicht hätte. Zeugen, die angeblich traumatisiert waren, weil sie Bilder im Internet gesehen hatten, wurden angehört. Man stelle sich das mal vor: Da sitzt einer in Sibirien oder Moskau, surft ein bisschen, sieht einen Düsseldorfer Karnevalswagen und braucht direkt eine Therapie oder – noch besser – einen Richter.

Tilly selbst reagierte so, wie man es von einem echten Narren erwartet: staubtrocken und mit einer ordentlichen Portion Mainzer (und Düsseldorfer) Gelassenheit. Er nannte das Urteil „absurd“, sah es aber gleichzeitig als Bestätigung seiner Arbeit.

Wenn ein Weltreich Angst vor ein paar Kilo Pappmaschee hat, dann hat der Künstler alles richtig gemacht. „Dass Putin eine Mimose ist, ist jetzt offiziell“, ließ er verlauten. Recht hat er!

Natürlich wird Jacques jetzt nicht freiwillig nach Moskau fliegen, um seine Zelle zu beziehen. Das Urteil ist weitgehend symbolisch, solange er in Ländern bleibt, die nicht direkt nach Putins Pfeife tanzen. Aber es zeigt uns eines ganz deutlich: Die Freiheit des Wortes und der Kunst ist ein hohes Gut, das man verteidigen muss – notfalls mit der Narrenkappe auf dem Kopf und dem Pinsel in der Hand.

Hier bei uns am Rhein wissen wir: Wer austeilt, muss auch einstecken können.

Wenn wir in Mainz unsere Motivwagen durch die Gassen schieben, dann kriegt jeder sein Fett weg – ob Lokalpolitiker oder Kirchenoberhaupt. Dass jetzt ein Staat versucht, diese ur-rheinische Tradition kriminalistisch zu verfolgen, ist ein Witz, der leider nicht lustig ist. Wir von Schwellkopp.de sagen: Kopf hoch, Jacques! Lass dich net unterkriegen. Dein nächster Wagen wird wahrscheinlich noch ein bisschen schärfer ausfallen, und das ist auch gut so.

In diesem Sinne: Ein dreifach donnerndes Helau auf die Freiheit der Kunst! Und nach Moskau schicken wir ein herzliches: „Macht euch net lächerlich, ihr hockt doch eh schon im Glashaus.“

SKTC-Narrenkappe

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