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„100 Jahr bald uff de Gass – Schwellköpp bringe Freud und Spass“
Der 43. Schwellkopp – Ein Mainzer Fastnachtsgeheimnis

Der 43. Schwellkopp – Ein Mainzer Fastnachtsgeheimnis

📅 1. Januar 2026 ⏱️ 4 Minuten 👤 Redaktion

Wiedersehen in Mainz: Ein Berliner Blick auf unsere Stadt

Ein langjähriger Weggefährte aus der Hauptstadt, ein renommierter Berliner Journalist, hat sich für einen beruflichen Aufenthalt in Mainz angekündigt. Bei einem gemeinsamen Treffen bot er an, mir nach seiner Rückkehr sein aktuelles Sujet über Mainz exklusiv zur Verfügung zu stellen.

Hier ist es:

Es war ein regnerischer Dezemberabend im Jahr 2025, als ich, ein hartgesottener investigativer Journalist aus Berlin, der schon so manchen Polit-Skandal aufgedeckt hatte, einen anonymen Tipp erhielt. Ein Umschlag, unter meiner Hoteltür in Mainz durchgeschoben. Kein Absender, nur ein Zettel: „Die Schwellköpp lügen. Es sind 43, nicht 42. Grab tiefer. Helau.“

Mainz im Winter – die Stadt wirkte ruhig, fast schläfrig. Die Fastnacht war noch Wochen entfernt, doch in den Kneipen am Rhein flüsterte man schon von der kommenden Kampagne. Ich kannte die Mainzer Fastnacht nur aus dem Fernsehen: bunte Wagen, jubelnde Massen, und diese riesigen, grinsenden Köpfe – die Schwellköpp. Markenzeichen der Stadt, seit fast einem Jahrhundert. Aber 42 oder 43? In allen Berichten, allen Zeitungen stand es schwarz auf weiß: 42. Doch der Tippgeber behauptete etwas anderes. Wer genau hinsah, beim Rosenmontagszug oder auf Fotos, zählte 43.

Das roch nach Vertuschung. Nach einem Skandal, der tiefer ging als nur eine Zahl. War es Korruption im Mainzer Carneval Verein? Ein geheimer Kopf, der politische Botschaften trug? Oder etwas Närrisches, das die Tradition selbst bedrohte? Ich beschloss, den Fall aufzunehmen. Wie bei Watergate: Folge dem Geld, folge den Köpfen.

Meine Recherche begann unscheinbar. Ich durchforstete Archive, offizielle Seiten des MCV, Wikipedia, SWR-Berichte. Überall dasselbe: Die Schwellköpp gibt es seit 1927, erfunden von Ludwig Lipp, einem Bildhauer, der lustige Mainzer Typen karikieren wollte. Nach dem Krieg neu gebaut, aus wenigen Grundformen variiert. Und die Anzahl? Mal 29, mal 30. Stand 2018: 30 einzigartige Figuren, jede mit Namen und Geschichte, dank Rudi Henkel, dem Ehrenpräsidenten. Plus Kinderschwellköpp seit 2017. Aber nirgends 42 oder 43.

Seltsam. Kein Wort über diese Zahlen. Als ob jemand die Wahrheit tilgte.

Ich tauchte tiefer ein. Nächte in der Bibliothek, Gespräche mit alten Fastnachtern in verräucherten Gaststuben. Ein pensionierter Träger aus dem Schwellkopp-Träscher-Club (SKTC) murmelte bei einem Glas Wein: „Offiziell sind's 30 Erwachsene. Aber beim Zug... da sind mehr. Manche zählen die Garde mit, manche den Prinzen. Und dann gibt's den einen... den niemand nennt.“

Den einen. Das war der Hinweis.

Am nächsten Tag traf ich einen Informanten – nennen wir ihn Deep Schwell, aus Angst vor Repressalien. Er war ehemaliges Mitglied im MCV-Elferrat. In einer dunklen Ecke der Zitadelle, wo der SKTC seine Partys feiert, flüsterte er: „Es stimmt. In manchen Jahren, bei großen Zügen, laufen 42 Schwellköpp mit. Die offiziellen 30, plus Garden und Ehrenköpfe. Aber zählt man genau – beim Jugendmaskenzug, bei der Parade – kommen 43 raus. Der 43. ist der Geist. Der Unsichtbare.“

Der Geist?

Deep Schwell nickte. „Der 43. Schwellkopp existiert. Aber er wird nie offiziell gezählt. Warum? Weil 42 die magische Zahl ist. Wie die Antwort auf alles im Universum, aus diesem Buch... Hitchhiker. Die Mainzer Narren lieben solche Späße. 42 – weil's närrisch ist, weil's absurd. Aber in Wahrheit sind's 43, weil immer einer mehr mitläuft: ein Gast, ein Neuer, ein geheimer. Oder einfach, weil jemand falsch zählt – die Träger wechseln, Köpfe werden repariert, einer bleibt in der Halle.“

Kein Skandal? Keine Vertuschung von Millionen für einen extra Kopf?

Nein. Es war schlimmer. Es war ein Witz. Ein Insider-Gag der Fastnacht.

Ich grub weiter. Fotos vom Rosenmontagszug 2024, 2025 – ja, manchmal sah man Gruppen von über 40. Berichte sprachen von „der Schwellkopp-Parade mit allen Köpfen“. Und in einem alten Buch von Rudi Henkel, „Die Meenzer Schwellköpp“, das ich mir besorgte: Eine Andeutung. Henkel hatte allen Namen gegeben, eine Genealogie erstellt – wie eine Familie. Und Familien, sagte er einmal in einem Interview, „wachsen immer. Manchmal kommt ein Unehelicher dazu.“

Der 43. ist der Uneheliche. Der, den man sieht, aber nicht zählt. Weil in der Fastnacht nichts ernst ist. Die Zahl 42 wird in Medien genutzt, weil sie lustig klingt, weil sie aus der Popkultur kommt, weil sie die Narren zum Schmunzeln bringt. Aber wer hinschaut – beim Zug, live – zählt 43. Oder 44. Je nach Jahr.

Ein Träger lachte, als ich ihn konfrontierte: „Junger Mann, in der Fassenacht zählt man nicht Köpfe, man lacht über sie. 42? Das ist der offizielle Quatsch. 43? Das ist das wahre Helau.“

War das der Skandal? Dass die Medien eine falsche Zahl verbreiten? Dass der MCV es zulässt?

Nein. Der echte Skandal ist: Es gibt keinen Skandal. Nur die pure Närrischkeit. Die Mainzer haben uns alle reingelegt – Journalisten, Touristen, sogar sich selbst. Sie schreiben 42, weil's spaßig ist. Aber es sind mehr. Immer einer mehr. Wie das Leben.

Ich schloss mein Dossier. Keine Enthüllung von Korruption, keine geheimen Fonds. Nur ein Grinsen. Ein überdimensionales, geschwollenes Grinsen.

Der 43. Schwellkopp lacht als Letzter.

Und ich? Ich lache mit. Helau!


Nach Wochen Recherche weiß ich: Die Anzahl variiert leicht, je nach Quelle und Jahr (29–30 offiziell für die Erwachsenen), aber die „42 vs. 43“ ist wahrscheinlich ein urbaner Mythos, ein närrischer Streich oder schlichter Zählfehler (vielleicht inklusive Prinzengarde, Kinder oder Gäste). Kein Watergate. Aber in Mainz... ist das der größte Spaß.

Helau und ein gutes neues Jahr – die Wahrheit ist oft einfacher als der Witz dahinter.

Jugendmaskenzug